Patients´ Choice Award – Herzlichen Dank!

Februar 20th, 2016

Vor Kurzem bekam ich überraschend Post von Docfinder. In dem Packerl war eine Urkunde, der “Patients´ Choice Award”. Ich würde zu einem der beliebtesten Psychiatern Österreichs gehören. Dachte zuerst an einen Werbegag oder Marketingaktion von Docfinder. War es aber nicht, stimmt tatsächlich. Hätte mir im Leben nie gedacht, dass man als normaler kleiner Psychiater, ohne Parteihintergrund, ohne Medienkontakte und ohne Marketing (Sie erinnern sich noch an meine alte selbstgemachte Homepage?) je in so eine Best of Liste aufgenommen wird. Wahrscheinlich ist das sonst auch so. Aber Dank Ihnen bin ich da als kleiner Fisch nun auch reingerutscht.

Wie auch immer. Es ist eine gute Gelegenheit mich für all die lieben Kommentare auf docfinder bei Ihnen herzlich zu bedanken. Freue mich sehr darüber. Viele von Ihnen haben die Behandlung schon abgeschlossen und haben hoffentlich eine gute Zeit da draußen, manche sind noch bei mir in Behandlung und haben hoffentlich eine immer bessere Zeit.

Was ändert sich nun durch diese Auszeichnung? Zunächst ist tatsächlich die Nachfrage gestiegen. Nach dem Gesetz der Marktwirtschaft muss jetzt natürlich der Preis steigen. Mach ich aber nicht. Ökonomisch ist das natürlich vollkommener Blödsinn, man muss aber auch nicht jeden blödsinnigen marktwirtschaftlichen Trend mitmachen. So bleibt also alles beim Alten, die Urkunde hab ich mir an die Wand genagelt, und ich mache weiter das, was mir Spaß macht – die Arbeit mit Menschen.

In diesem Sinne, bleiben Sie mir gewogen

und herzlichen Dank für Ihr Vertrauen und die schönen Bewertungen.

Macht fernsehen und Mangel an Bewegung dumm?

Januar 17th, 2016

Dieser Fragestellung gingen amerikanische Forscher nach. Wer auch sonst ist besser geeignet dieses Thema zu untersuchen:-)

Dazu wurden 3247 Probanden bezüglich Ihrer Fernsehgewohnheiten und sportlichen Aktivitäten befragt. Zu Beginn der Studie waren die Probanden im Durchschnitt 25 Jahre alt. Die Studie zog sich über 25 Jahre! Die ersten Probanden wurden am 25.03.1985 für das Projekt rekrutiert. Zu Beginn und nach 25 Jahren wurde die kognitive Leistungsfähigkeit getestet. Die Ergebnisse sind wenig überraschend. Probanden mit geringem Fernsehkonsum und hoher körperlicher Aktivität schnitten bei den Tests doppelt so gut ab wie Probanden mit hohem Fernsehkonsum und geringer körperlicher Aktivität.

Somit ist nun auch wissenschaftlich bewiesen: Körperliche Aktivität und ein geringer Fernsehkonsum ist sehr gesund für 25-50 Jährige.

Also tun Sie was für sich

Quelle: JAMA Psychiatry. 2016;73(1):73-79. doi:10.1001/jamapsychiatry.2015.2468

 

Lassen Angsterkrankungen unseren Körper altern?

Mai 10th, 2015

Es sieht fast danach aus. Wissenschaftler aus den Niederlanden haben erst kürzlich Hinweise dafür gefunden. Dazu haben sie die Länger der Telomere vermessen. Die Telomere sind die Endstücke an den menschlichen Chromosomen. Sie sind für die Stabilität der Chromosomen, somit für die Stabilität des menschlichen Erbgutes verantwortlich. Mit jeder Zellteilung wird das Telomer ein wenig verkürzt. Werden sie zu kurz, dann kann sich die Zelle nicht mehr teilen, was oft zum Tod der Zelle führt. Telomere werden somit mit biologischen Vorgängen in Verbindung gebracht, die mit der Alterung von Zellen zusammenhängen.

Die Wissenschaftler haben nun die Telomere bei 3 verschiedenen Gruppen an Probanden gemessen. Die erste Gruppe (1283 Probanden)  litt zum Zeitpunkt der Messung an einer Angststörung, die Zweite (459 Probanden) hatte eine Angsterkrankung hinter sich, und die Dritte Gruppe (582 Probanden) waren gesund. Die Länger der Telomere wird in Basenpaaren (bp) gemessen. Für Gruppe 1 ergab sich ein Wert von 5431 bp, für Gruppe 2 von 5499 bp und für die gesunde Gruppe 3 von 5506 bp.

Die Schlussfolgerung der Autoren: PatientInnen mit einer aktuellen Angsterkrankungen haben kürzere Telomere, was auf eine beschleunigte Zellalterung hinweist. Das Ganze ist aber zum Glück reversibel wenn die Angsterkrankung erfolgreich behandelt wird.

Was ist zu tun? Sollten Sie ängstlich sein und mit dem Gedanken spielen einen plastischen Chirurgen aufzusuchen um sich eine Verjüngungskur zu gönnen dann sparen Sie lieber das Geld. Suchen Sie statt dessen eine(n) gute(n) PsychiaterIn oder PsychotherapeutIn auf. Da wird Ihnen mit der Angst geholfen und Sie bleiben jung!

 

Quelle: British Journal of Psychiatry, 

 

Burnout Experts – eine neue multidisziplinäre Plattform im Web

März 4th, 2015

Seit Ende letzten Jahres beteilige ich  mich an der Entstehung einer neuer Webplattform zum Thema Burnout, abrufbar unter www.burnoutexperts.at. Sie zeichnet sich besonders durch ihre Multidisziplinarität aus. Bewusst werden hier die Grenzen zwischen den Professionen überschritten und der interdisziplinäre Austausch gestärkt. Ärzte, Coaches, Psychologen, Sozialarbeiter, Therapeuten, Unternehmensberater (in alphabetischer Reihenfolge) begegnen sich auf Augenhöhe und präsentieren ihr Angebot. Im Blogbereich werden von den Experten regelmäßig Artikel zum Thema Burnout veröffentlicht, oder Veranstaltungen angekündigt.
LOhnt sich mal einen Blick hineinzuwerfen.

 

Verpflichtende Preisinformation bei Ärzten

Dezember 2nd, 2014

Das Ärztegesetz wurde um den §51 Abs.1a erweitert. Er sieht eine verpflichtende und klare Preisinformation des Arztes über die von ihm zu erbringende Leistung vor, sofern diese nicht direkt über die Sozialversicherung abgerechnet wird.

Diese Regelung schafft nun Transparenz für PatientInnen, die privat- oder wahlärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Unangenehme Preisüberraschungen am Ende einer ärztlichen Konsultation, wie es mir einmal selbst als Patient passiert ist, bleiben einem nun erspart. Für PatientInnen von KrankenkassenärztInnen hat dies keine Auswirkung, es sei denn, diese bieten zusätzlich privatärztliche Leistungen an (z.B. Akupunktur). Dann muss auch hier der Preis klar dargestellt werden.

Bereits seit Start der Homepage www.psych-klein.at im Jahr 2011 wurden die Kosten für Konsultationen von Dr. Klein klar ausgewiesen. Es ist uns eine besondere Freude, dass der Gesetzgeber nun möglicherweise unserer Initiative gefolgt ist 🙂

Lavendelöl bei generalisierter Angststörung. Ein Vergleich mit Placebo und Paroxetin

April 22nd, 2014

Nach langer Pause wieder eine kleine Kuriosität die meine Aufmerksamkeit geweckt und mich zum Staunen gebracht hat. Und Staunen ist etwas, das bei mir in letzter Zeit in Bezug auf wissenschaftliche Arbeiten nur mehr sehr selten vorkommt.

Da haben doch tatsächlich Forscher die Wirksamkeit von Lavendelöl an 539 Menschen mit einer generalisierten Angststörung untersucht. Als Vergleichssubstanz dienten Placebo oder der Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) Paroxetin. Die PatientInnen erhielten entweder Lavendelöl in 2 verschiedenen Dosierungen, oder Paroxetin 20 mg, oder eben Placebo über 10 Wochen. Der Grad der Angststörung wurde anhand der Hamilton Skala gemessen. Nach der Behandlung besserte sich der „Angstwert“ unter Lavendöl um ca. 12,8-14,1 Punkte. Der SSRI Paroxetin verbesserte den Ausgangswert um ca. 11,3 Punkte.  Placebo schaffte immerhin noch eine Verbesserung von ca. 9,5 Punkte.

Es lohnt sich dann noch ein Blick auf die Autoren der Studie. Mitgewirkt haben unter anderem die renommierten Professoren Siegfrid Kasper (Leiter der Univ. Klinik Psychiatrie in Wien), Hans Jürgen Möller (Leiter der Univ. Klinik Psychiatrie in München). Es ist aber auch das Augenmerk auf die beiden letzt gereihten Autoren zu richten (die letzte Stelle ist die wichtigste Position in der Autoren Reihung bei wissenschaftlichen Arbeiten). Beide Autoren arbeiten für die Firma, die das getestete Produkt herstellt. Die Studie wurde auch von der Firma finanziell unterstützt.

Quelle: International Journal of Neuropsychopharmacology, © CINP 2014, doi:10.1017/S1461145714000017

Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) während der Schwangerschaft: Risiko für Totgeburten oder Säuglingssterblichkeit?

August 29th, 2013

Im August 2012 habe ich über das Wachstum von Embryos bei Müttern berichtet, die während der Schwangerschaft einen Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) eingenommen haben, berichtet.

Nun wurden zu Beginn dieses Jahres zwei weitere, große Studien veröffentlicht, die sich mit dem Risiko der Totgeburt und Säuglingssterblichkeit von Kinder beschäftigten, deren Müttern während der Schwangerschaft einen SSRI eingenommen haben.

 

Bei der ersten Arbeit handelt es sich um eine Untersuchung in den nordischen Ländern Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden zwischen 1996 und 2007. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 1.633.877 Geburten registriert. Insgesamt kam es zu 6.054 Totgeburten, 3.609 Todesfällen während der Geburt und 1.578 Todesfälle nach der Geburt.

29.228 Frauen (1,79%) nahmen während der Schwangerschaft einen SSRI zu sich. Diese Frauen waren statistisch gesehen zum Zeitpunkt der Geburt älter, öfters Raucher, waren häufiger wegen einer psychiatrischen Erkrankung stationär aufgenommen, und hatten öfters Bluthochdruck und Diabetes. Nach Korrektur für diese Variablen konnte kein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko für Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft einem SSRI eingenommen haben, festgestellt werden.

 

Bei der 2. Arbeit handelt es sich eine Studie aus Dänemark zwischen 1995 und 2008. Hier wurden insgesamt 920.620 Geburten registriert. Insgesamt trat bei 0,45 % eine Totgeburt auf, die Säuglingssterblichkeit lag bei 0,34%. Insgesamt waren 12.425 Säuglinge während der Schwangerschaft einem SSRI ausgesetzt. Nach Korrektur für andere Faktoren (Alter, Raucherstatus, sozioökonomischer Status) konnte auch in dieser Studie kein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko festgestellt werden.

 

Quellen: JAMA 2013:309(1); Am J Psych 2013: 170(3)

Hustensaft hilft gegen Cannabis…

Februar 18th, 2013

… könnte vielleicht demnächst ein Nachrichtenmagazin oder eine Tageszeitung titeln. Wieder haben amerikanische Forscher mit einer neuen Behandlungsstrategie für Cannabisahängige Jugendliche aufhorchen lassen. Es wurden 116 Jugendliche in einem Alter von 16-21 Jahren untersucht. Alle Jugendlichen erhielten wöchentliche Gespräche mit einem/einer Experten/in. Eine Hälfte erhielt aber zusätzlich eine Substanz die bei uns als Hustenlöser angewendet wird. Die andere Hälfte erhielt ein Placebo. Die Jugendlichen wurden über 8 Wochen behandelt und beobachtet. Der Cannabis Konsum wurde indirekt anhand von Urintests nachgewiesen. Die „Hustensaftgruppe“ hatte eine 2,5 fache höhere Chance auf einen negativen Canabisurinntest als die Placebogruppe.

Diese Studie bringt erste Hinweise, dass neben der regelmäßigen psychosozialen Behandlung, die Verabreichung dieses Hustenmittels den Behandlungserfolg bei cannabisabhängigen Jugendlichen verbessern kann.

 

Quelle: Am J P sychiatry 2 0 1 2 ; 1 6 9 :8 0 5 –8 1 2

Regelmäßiges Kiffen lässt den IQ schrumpfen

Oktober 25th, 2012

 

“Gescheiter wird man von Cannabis nicht, haben Forscher jetzt bestätigt: Über 38 Jahre haben Sie Konsumenten begleitet – und die wurden immer dümmer” titelt die Tageszeitung Kurier im August 2012. Die Schlagzeile basiert auf einer Studie veröffentlicht in “Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America”. Es handelt sich hier um eine sogenannte „Kohortenstudie“ Es wurde eine Geburtskohorte des Jahrgang 1972/73 vom 13ten Lebensjahr an bis zum 38ten Lebensjahr in regelmäßigen Abständen untersucht. Insgesamt nahmen 1037 Menschen an dieser Untersuchung teil. Im 13ten Lebensjahr wurde eine erste psychologische Testung gemacht und die Intelligenz bestimmt. Eine Kontrolle wurde im 38ten Lebensjahr gemacht. Im Alter von 18, 21, 26, 32 und 38 wurde das Ausmaß des Cannabiskonsums bei den einzelnen Personen erhoben.

Der IQ lag im Alter von 13 Jahren bei 99,84 Punkten. Im Alter von 38 Jahren hatten die Personen, die kein Cannabis konsumiert hatten einen IQ von 100,64 Punkten. Die Gruppe, die später regelmäßig Cannabis konsumierten hatten mit 13 Jahren einen IQ von 96 Punkten und mit 38 Jahren einen IQ von 90,77 Punkten. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei Menschen die vor dem 18ten Lebensjahr schon begonnen haben regelmäßig Cannabis zu konsumieren. Cannabis ist also besonders schädlich in jugendlichen Gehirnen, die noch im Aufbau sind.

 Dies soll keine Kampagne gegen das „ilegale“ Cannabis sein. Gerade in der Medizin öffnet man sich immer mehr den positiven Eigenschaften von Cannabis, z.B. bei schwerer Krebserkrankung. Auch ist bekannt dass z.B. der „legale“ Alkohol zu deutlichen Schäden im Gehirn führt, gerade auch im vulnerablen Gehirn von Jugendlichen. Diese Untersuchung zeigt aber auch deutlich, dass man den regelmäßigen Konsum von Cannabis nicht verharmlosen sollte.

 Quelle:  PNAS 2012: Aug 27: E2657-E2664

Welchen Einfluss haben Serotonin Wiederaufnahmeinhibitoren (SSRI) auf das embryonale Wachstum und die Geburt von Kindern depressiver Mütter?

August 23rd, 2012

SSRI sind häufig verschriebene Antidepressiva.  Obwohl diese Medikamente im allgemeinen ganz gut verträglich sind, ist man bei der Gabe von SSRI während der Schwangerschaft oft besorgt, dass die Medikation negative Auswirkung auf das Kind hat. Amerikanische Wissenschaftler aus Vermont sind dieser Frage nun in einer außerordentlichen Studie nachgegangen. Außerordentlich deshalb, weil 7696 schwangere Frauen in die Studie eingeschlossen wurden. 7027 Frauen (91.3%) hatten keine oder nur geringe depressive Symptome, 570 Frauen (7.4%) hatten klinisch relevante depressive Symptome und benutzen keinen SSRI. 99 Frauen erhielten einen SSRI (1.3%).Während der Schwabgerschaft wurden Ulraschalluntersuchung gemacht, um das fetale Körper- und Kopfwachstum zu bestimmen. Ausserdem wurde erhoben, ob es sich um Frühgeburten handelt und ob bei der Geburt ein vermindertes Körpergewicht vorlag.

Bei den Kindern der depressiven Mütter war das  kindliche Körper- und Kopfwachstum vermindert. Bei den Müttern, die einen SSRI während der Schwangerschaft bekamen waren logischerweise die Depressionwerte geringer. Das kindliche Körperwachstum war nicht vermindert. Allerdings war das kindliche Kopfwachstum auch vermindert. Bei Müttern, die einen SSRI nahmen traten auch häufiger vorzeitige Geburten auf.

Zusammengefasst zeigt diese Studie, dass schon alleine das vorliegen einer unbehandelten Depression bei der Mutter Auswirkungen auf das kindliche Körper- und Kopfwachstum hat. Die Behandlung mit einem SSRI verbesserte die Stimmungslage der Mütter und damit auch deren Wohlbefinden. Auch das kindliche Körperwachstum war normal. Allerdings  traten in der SSRI Gruppe ungefähr doppelt so häufig vorzeitige Geburten auf (5,1% vs. 6,3% vs. 10,1%)

Quelle: Arch Gen Psychiatry. 2012;69(7):706-714